„Stress“-Kardiomyopathie: Eine andere Art von Herzinfarkt

„Stress“-Kardiomyopathie: Eine andere Art von Herzinfarkt

Herzinfarktkonzept

Die meisten Herzinfarkte sind darauf zurückzuführen, dass die Herzkranzgefäße durch Blutgerinnsel verstopft sind, die sich bilden, wenn Cholesterinplaques reißen. Der fehlende Blutfluss durch die blockierten Arterien führt zum Absterben des Herzmuskels – daher der Name „Herzinfarkt“. Es gibt jedoch auch eine andere Form des Herzinfarkts, die Takotsubo-Kardiomyopathie.

In den letzten Jahren haben Ärzte diese Form des Herzinfarkts erkannt und besser verstanden. Bei dieser ungewöhnlichen Form des Herzinfarkts kommt es nicht zu rupturierenden Plaques oder blockierten Blutgefäßen. Sie wird Takotsubo-Kardiomyopathie oder Stress-Kardiomyopathie genannt. Japanische Ärzte, die diese Erkrankung als erste beschrieben, gaben ihr den Namen „Takotsubo“, weil das Herz bei dieser Erkrankung eine charakteristische Form annimmt, die an einen japanischen Topf erinnert, der zum Einfangen eines Tintenfisches verwendet wird. Man ging allgemein davon aus, dass die Takotsubo-Kardiomyopathie durch plötzlichen emotionalen Stress, z. B. den Tod eines Kindes, ausgelöst wird und weit weniger schädlich ist als ein typischer Herzinfarkt.

Eine in der Ausgabe vom 3. September 2015 des New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie berichtet über die Arbeit einer internationalen Zusammenarbeit von Ärzten aus den Vereinigten Staaten und Europa, die 1.750 Patienten mit Takotsubo-Kardiomyopathie untersucht haben. Interessanterweise traten 90 % dieser Fälle bei Frauen auf, und die Frauen in dieser Studie waren im Durchschnitt 67 Jahre alt. Die häufigsten Auslöser der Stress-Kardiomyopathie waren körperlicher Natur (z. B. Lungenprobleme oder Infektionen), die zweithäufigste Ursache war ein emotionaler „Schock“. Bei einem beträchtlichen Teil der Patienten konnte jedoch kein Auslöser festgestellt werden.

Im Vergleich zu Menschen, die einen „typischen“ Herzinfarkt erlitten hatten, wiesen Patienten mit Takotsubo-Kardiomyopathie fast doppelt so häufig eine neurologische oder psychiatrische Störung auf. Und im Gegensatz zu der unter Ärzten weit verbreiteten Ansicht, dass die Takotsubo-Kardiomyopathie weniger schwerwiegend ist als andere Formen des Herzinfarkts, waren die Sterberaten im Krankenhaus zwischen Takotsubo-Kardiomyopathie und „herkömmlichen“ Herzinfarkten ähnlich.

Wenn das Bewusstsein für die Takotsubo-Kardiomyopathie unter Ärzten und Patienten zunimmt, werden wir in Zukunft vermutlich noch mehr Fälle von Takotsubo-Kardiomyopathie erkennen. Die Erkrankung scheint weder so selten zu sein wie vermutet, noch so harmlos wie angenommen.

Zukünftige Forschungen werden notwendig sein, um die beste Behandlung für Patienten mit Takotsubo-Kardiomyopathie zu bestimmen und ihr Risiko für zukünftige Probleme zu senken. Derzeit verwenden wir zur Behandlung des geschwächten Herzmuskels bei Takotsubo-Kardiomyopathie häufig die gleichen Medikamente wie bei anderen Formen des Herzinfarkts, aber es gibt noch nicht viele gute Studien über die optimale Medikamentenwahl für Menschen, die eine Takotsubo-Kardiomyopathie erlitten haben. Der Zusammenhang mit neurologischen oder psychiatrischen Störungen ist faszinierend und deutet darauf hin, dass eine wichtige Verbindung zwischen Herz und Geist für einige Erscheinungsformen der Takotsubo-Kardiomyopathie und möglicherweise auch für andere Herzerkrankungen von Bedeutung ist.

Zugehörige Informationen: Harvard Heart Letter

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